Servus, Cervus ...

Große Räume für große Tiere
 
In einem dicht besiedelten Industrieland wie Deutschland gerät ein Hirsch schnell an seine Grenzen. Unsere Form der Landnutzung, sei es durch Agrar- oder Forstflächen, Straßen oder Siedlungen passt so gar nicht zu unserem größten frei lebenden Säugetier. So kann der Hirsch weder ungestört seinem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus folgen, noch kann er seine saisonalen Wanderungen gefahrlos meistern. Beschränkt auf behördlich vorgeschriebene Rotwildgebiete und zurück gedrängt in dichte Wälder bleibt ihm oft nicht mehr, als an der Rinde der Bäume zu „knabbern“.
Längst ist ein übergreifender Politikansatz für das Rotwild überfällig. Rotwildpolitik ist nicht allein Jagd- oder Forstpolitik. Es geht darum, die Ansprüche der Tierart mit einer nachhaltigen ländlichen Entwicklung zu verzahnen.


Forstwirtschaft

Fast alle Wälder in Deutschland werden intensiv für die Holzproduktion genutzt. Naturnahe Waldbestände sind selten geworden. Zudem hat an vielen Standorten der Nadelwald den Laubwald verdrängt. Für den Forstbetrieb ist das Rotwild „Schädling“, denn die Tiere äsen die Knospen junger, nachwachsender Bäume und verlangsamen deren Wachstum. Oder sie schälen, vor allem im Winter, die Rinde der Bäume. Pilze können eindringen, das Holz wird wertlos. Über die positiven Auswirkungen des Wildes auf Alters- und Artenstruktur der Wälder sowie die Stabilität der Bäume wird selten gesprochen. Doch Wälder sind mehr als Forsten – sie sind Lebensräume. Deshalb braucht es ein neues Verständnis der Waldnutzer gegenüber dem „Standortfaktor“ Wild – für ein Wirtschaften mit dem Wild und nicht gegen das Wild.


Landwirtschaft

Weit über 50 % der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Tritt das Rotwild aus dem Wald steht es unweigerlich auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche. Und wo früher vielleicht eine Rinderweide war, ist heute ein Maisacker, wo früher ein schütterer Roggen stand, steht heute hochgedüngter Weizen. Schäden, die vom Wild in landwirtschaftlichen Kulturen angerichtet werden, sind als „Wildschäden“ vom Jagdpächter dem Landwirt auszugleichen. So zahlt in vielen Regionen der Jäger die Zeche für eine verfehlte Agrarpolitik. Zukünftig müssen Land- und Forstwirtschaft stärker im Sinne von Lebensräumen für unsere Wildtiere verzahnt werden. Heute bietet die Agrarpolitik bereits vielfältige Möglichkeiten. Über Agrarumweltprogramme oder über das Instrument der Flächenstilllegung können Pufferzonen geschaffen werden, z. B. zwischen Wald und Feld. Zonen, in denen das Wild Ruhe und Äsung findet. 


Jagd

Das Rotwild gehört zu den jagdbaren Wildarten in Deutschland. Rund 50.000 Stück Rotwild werden jedes Jahr erlegt. Die Planung der Abschüsse wird von den sogenannten Hegegemeinschaften (das ist eine Zusammenschluss von Jagdrevieren) vorgenommen, und von der Unteren Jagdbehörde genehmigt. Wildtiere über Bejagung zu nutzen steht grundsätzlich völlig im Einklang mit dem Ziel einer nachhaltigen Nutzung. Doch an der Art der Jagd sollte sich aus der Sicht des Rotwildes einiges ändern. Noch stellen wir den Tieren bei Nacht nach, locken sie an Kirrungen und tun dies über viele Monate im Jahr. Jagd muss künftig störungsärmer und stärker an den Bedürfnissen der Tiere ausgerichtet sein. Daher ist ein neuer Umgang mit dem Rotwild überfällig und wir müssen das Leitbild Rotwild endlich in die Praxis umsetzen.


Straßen- und Verkehrswegebau

Wie kaum eine andere Wildart leidet das Rotwild in Deutschland an der Zerschneidung der Landschaft durch Straßen. Eingezäunte Autobahnen oder auch Kanäle mit steilen, betonierten Ufern stellen unüberbrückbare Hindernisse für Wildtiere dar. Damit kann das Wild in Deutschland nicht mehr wandern. Zusätzlich bringen Straßen Störungen mit sich und transportieren den Menschen in den letzten Winkel. Zukünftiger Straßenbau und zukünftige Raumplanung müssen die Bedürfnisse von Wildtieren konsequent berücksichtigen. Und dort, wo schon heute die alten „Pfade der Wildtiere“ unwiederbringlich zerschnitten worden sind, muss wenigstens über Grünbrücken versucht werden, diesen Schaden zu mildern.


Deutsche Wildtier Stiftung

Partner

  • Deutsche Wildtier Stiftung
  • Vauna
  • TU Dresden

Konzeption Südschwarzwald

Das Rotwildgebiet Südschwarzwald ist eines der fünf in Baden-Württemberg ausgewiesenen Rotwildgebiete. Seit Juni 2005 arbeitete eine Projektgruppe unter der fachlichen Lenkung durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) an einer großräumigen Konzeption für das Rotwildgebiet Südschwarzwald. Als Ergebnis liegt ein Management-Konzept vor, das den Lebensraum-Ansprüchen des Rotwilds, aber auch den Interessen der Landnutzer Rechnung tragen soll. Konzeption Südschwarzwald