Lebensraumzerschneidung
Genetisches Monitoring beim Rotwild in Mecklenburg-VorpommernDie ausgeprägte Zerschneidung und Zergliederung unserer Landschaft, vor allem durch Verkehrswege und Siedlungen, führt dazu, dass viele Wildtiere, insbesondere die heimischen Großtierarten (z. B. das Rotwild), in Mitteleuropa nur noch in inselartigen Gebieten vorkommen. Großräumige Wanderungen, die in früherer Zeit üblich waren, sind gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich. Durch den hieraus resultierenden fehlenden genetischen Austausch zwischen den einzelnen Teilpopulationen kann es langfristig zu einer Gefährdung der Anpassungsfähigkeit und damit der Überlebensfähigkeit dieser Großtierart kommen.
Bis heute liegen uns aus Mitteleuropa genetische Untersuchungen lediglich im Sinne von „Momentaufnahmen“ zu einem bestimmten Zeitpunkt vor. Eine langfristige Untersuchungsreihe, die Entwicklungstrends aufzeigen könnte, fehlt noch. Gerade solche Belege werden aber seit langem als zwingende Grundlage für Wildbewirtschaftungskonzepte von Wissenschaft und Praxis gefordert, da erst mit langfristigen Untersuchungen tatsächliche Entwicklungstendenzen nachweisbar sind und nur so eine Erfolgskontrolle von Managementmaßnahmen (z. B. Grünbrücken) erfolgen kann.
Am Beispiel der neu gebauten Ostsee-Autobahn A20 wird untersucht, welche Auswirkungen die Zerschneidung von Lebensräumen langfristig auf die Wildtiere (hier Rotwild) hat. Anhand von Stichproben wird in mehrjährigem Abstand untersucht, ob langfristige Trends in den genetischen Strukturen der lokalen Rotwildpopulationen beiderseits der Autobahn festzustellen sind. Dieses Projekt ist ein für Mitteleuropa bislang einmaliger Langzeitversuch, der die Auswirkungen der Landschaftszerschneidung auf genetische Strukturen und damit auf die biologische Diversität großer Säugetiere über mehrere Jahrzehnte beispielhaft aufzeigen soll.
Die Förderung durch die Deutsche Wildtier Stiftung stellt sicher, dass die Untersuchung tatsächlich über mehrere Jahrzehnte durchgeführt werden kann.
Prof. Dr. Dr. S. Herzog
Dozentur für Wildökologie und Jagdwirtschaft, Technische Universität Dresden
Deutsche Wildtier Stiftung






