Rotwild im Beutespektrum des Wolfes

Erfahrungen mit frei lebenden Wölfen in der Muskauer Heide in Sachsen     
   
Für das Rotwild stellt der Wolf in Europa den einzigen wirksamen Fressfeind dar. Es wird von anderen Raubtieren nur als Jungtier oder in geschwächtem Zustand erbeutet. Der Rothirsch wie auch der Wolf bevorzugt lichte Waldlandschaften mit größeren Offenflächen als Lebensraum, wenn er nicht vom Menschen in geschlossene Waldgebiete verdrängt wird. Zwischen beiden Arten besteht eine engere ökologische Verbindung, die sich in den naturnahen Arealteilen auch in einer abhängigen Populationsdynamik ausdrückt.

Wölfe im Gehege
Wölfe im Gehege
Seitdem wieder regelmäßiger Wölfe nach Deutschland einwandern, regt dies natürlich ein weites Feld an Spekulationen an, zumal mehrere Ebenen des Spannungs- und Interessenfeldes „Wolf-Mensch“ betroffen sind. Im Mittelpunkt steht dabei auch die Frage, inwieweit im engeren Mitteleuropa das Symboltier der Jagd, der Rothirsch, in seinen Beständen vom Wolf beeinflusst werden kann.

Für die Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung und bei der Jägerschaft sowie für eine solide Öffentlichkeitsarbeit des Naturschutzes wäre es sehr nützlich, mit handfesten und klaren Daten argumentieren zu können.

Von dem derzeit einzigen territorialen Wolfsrudel in Deutschland liegen erste Ergebnisse der Nahrungs-Untersuchungen aus der Muskauer Heide in Sachsen vor. Sie sollen helfen, das Verhältnis Rotwild – Wolf bezüglich der Wiederkehr des Wolfes in Mitteleuropa objektiv bewerten zu können.


Dr. Hermann Ansorge

Staatliches Museum für Naturkunde Görlitz

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