Rotwildsymposium 2002
Der Rothirsch - Ein Fall für die Rote Liste ? - Neue Wege für das Rotwildmanagement
Nur
wenige unserer mitteleuropäischen Wildtierarten bewegen und
polarisieren die Fachwelt seit mehreren Jahrzehnten so sehr wie der
Rothirsch. Die Gründe hierfür sind vielfältig und zum Teil sicher
historisch gewachsen, zum Teil aber auch Ausdruck aktueller Probleme
hinsichtlich des Managements dieser Art. Konsens herrscht lediglich dahingehend, dass diese freilebende mitteleuropäische Großwildart zumindest im überwiegenden Teil des Landes eines aktiven Managements bedarf.
Konsensfähige Managementkonzepte zu erarbeiten ist offensichtlich nicht einfach. Eine Besonderheit dieser Wildtierart ist, dass sie gebietsweise in hohen Populationsdichten vorkommt, welche teilweise die Umsetzung zeitgemäßer Waldbaukonzepte verhindern, andererseits aber zweifellos Kriterien für die Aufnahme in die Roten Listen erfüllt. Beides wird durch die fortschreitende Teilung eines ehemals geschlossenen Verbreitungsgebietes und die Zurückdrängung dieser ehemals flächendeckend vorkommenden Art in 140 so genannte Rotwildgebiete zusätzlich verstärkt. So sind dem Rothirsch heute nur noch zirka 20% seines ursprünglichen Lebensraumes geblieben. Inwieweit die Fragmentierung der Landschaft bereits die langfristige evolutionäre Anpassungsfähigkeit und damit die Überlebensfähigkeit dieser Art beeinflusst, ist derzeit Gegenstand verschiedener Untersuchungen.
Zudem wird der Rothirsch als einheimisches Wildtier von der breiteren Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Er ist aufgrund der menschlichen Einflüsse auf seine Lebensräume für die meisten Menschen nicht mehr erlebbar. Die Diskussion in der Fachöffentlichkeit schließlich ist durch die mangelhafte und sehr emotionale Kommunikation zwischen einzelnen Interessengruppen geprägt. Mit dieser Veranstaltung möchten die Veranstalter alle Interessierten zum gemeinsamen Dialog einladen. Insbesondere sehen die Veranstalter vor diesem Hintergrund Handlungsbedarf in mehrere Richtungen:
Ein
gemeinsames Forum der verschiedenen Interessengruppen („stakeholders“),
der Politik und der Wissenschaft soll etabliert werden. Dieses kann und
soll die Basis für eine dringend erforderliche, bundesweit koordinierte
„Rotwildpolitik“ bilden, und die wissenschaftlichen Ergebnisse in
politische und praktische Handlungsempfehlungen umsetzen.Eine Intensivierung und Versachlichung der Diskussion unter Einbeziehung einer breiten Öffentlichkeit ist dringend erforderlich. Eine Zukunft für den Rothirsch kann es nur bei ausreichendem Interesse und Verständnis in der Bevölkerung geben.
Die Rotwildforschung im deutschsprachigen Raum erfolgt immer noch weitgehend in kleinen und kleinsten Forschergruppen. Sie ist ohne eine intensive Vernetzung dieser Gruppen kaum zukunftsfähig. Konzepte für integrierende, großräumige und insbesondere auch internationale wissenschaftliche Verbundprojekte fehlen bisher weitgehend. Diese gilt es zu erarbeiten.
Das Ergebnis des Rotwildsymposiums ist als Erfolg zu werten - Immer mehr Menschen engagieren sich für den Rothirsch
Allein
Jäger und Förster haben sich bisher des Rothirsches angenommen. Das
Interesse der Jäger hat wohl das Überleben der Hirsche gesichert. Die
Schäden im Wald sind deutlich zurückgegangen. Doch das reicht weder, um
dem Wildtier eine angemessene Zukunft zu sichern, noch um das
faszinierende Großtier für die Bevölkerung erlebbar zu machen. Daher
engagieren sich jetzt auch verstärkt andere Gruppen der Gesellschaft
für diese Art. Die großen Naturschutzverbände und
Naturschutzverwaltungen, Verkehrswegeplaner und nicht zuletzt auch
zahlreiche Politiker seien als Beispiel genannt.Viele Vertreter dieser Gruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind auf Initiative der Deutschen Wildtier Stiftung und der Abteilung für Wildökologie und Jagdwirtschaft der TU Dresden in Bonn zusammengekommen. Sie haben Erfahrungen ausgetauscht, Lösungsansätze aufgezeigt, Handlungsempfehlungen als Voraussetzung für eine bundesweit koordinierte Rotwildpolitik erarbeitet und den Grundstein für ein gemeinsames Vorgehen zum Wohle dieser Art gelegt.







