Sonne, Glück und Fruchtbarkeit



Der Rothirsch hat, wie viele andere Tierarten auch, seinen Platz in der Mystik und Mythologie der Völker. Unsere Vorfahren sahen im regelmäßigen Abwerfen und in der jährlichen Neubildung der Geweihstangen ein Abbild der natürlichen Zyklen aus Werden und Vergehen, aus Licht und Dunkelheit. So wurde der Hirsch zu einem Sonnen-, Fruchtbarkeits- und Glückssymbol.

Eine der zwölf Aufgaben des griechischen Helden Herakles war es, die Hirschkuh Kerynitis zu fangen, die ein goldenes Geweih trug, das Symbol des Lichtgottes Apollon.

Der römische Dichter Vergil beschreibt das Hirschgeweih als eine Opfergabe für die Licht- und Jagdgöttin Diana, die häufig in Begleitung einer Hirschkuh mit goldenem Geweih dargestellt wird.

Die Kelten verehrten einen Gott mit Hirschgeweih ebenso wie die nordamerikanischen Indianer einen Sonnenhirsch.

Die germanische Edda erzählt vom Hirsch „Eikthyrnir“, der in Walhall das Laub des Baumes Lärad äst. Und die vier Hirsche „Dain“, „Dwalin“, „Duneyr“, „Dyrathor“ äsen die Knospen der Weltesche Yggdrasil ab.

Das Nibelungenlied überliefert, dass Siegfried von einer Hirschkuh gesäugt wurde, bevor ihn der Schmied Mime fand und zu sich nahm.

In Ostasien symbolisiert der Sikahirsch die Morgensonne. Er gehört bis heute als Glücksbringer in eine Reihe mit Drachen und Einhorn.

Der chinesische Buddhismus sieht den Hirsch als Symbol der Libido in einer Reihe mit Tiger (Zorn) und Affe (Gier). Bis heute nutzt die traditionelle chinesische Medizin das Bastgeweih des Hirsches und schreibt ihm geheimnisvolle Kräfte zu. In der chinesischen Malerei steht der Hirsch für ein langes Leben.

Bilder: Deutsches Jagdmuseum München.

Prof. Dr. Dr. Sven Herzog

Partner

  • Deutsche Wildtier Stiftung
  • Vauna
  • TU Dresden

Wild im Wald

Viele Jahre lang war der Rothirsch für die einen nur ein Waldschädling und für die anderen nur eine Jagdbeute. Doch bei der Diskussion um Wald und Wild kamen die positiven ökologischen Effekte des Rotwildes immer zu kurz. Zum Hubertustag 2010 hat die Deutsche Wildtier Stiftung gemeinsam mit Burkhard Stöcker die Broschüre „Wild im Wald“ veröffentlicht. Sie wirft einen anderen Blick auf unser Schalenwild und plädiert für einen fairen Umgang mit Rothirsch und Co.. Wild im Wald